Ein chinesisches Sprichwort sagt: “Der Schlaf ist das Bügeleisen der Seele”. Viele Menschen können dies jedoch nur aus negativer Sicht bestätigen. Denn sie fühlen sich am Morgen nicht etwa frisch und erholt, sondern geplättet und erschlagen - eben wie gebügelt. Die Bereitschaft, ihre Schlafqualität mit dem Kauf einer teuren Matratze zu verbessern, ist hoch. So schlagen sich zunehmende Klagen über abnehmende Schlafqualität möglicherweise auch in den Umsatzzahlen nieder.
Die Möbelindustrie konnte sich im letzten Jahr bei den Matratzen über einen Umsatzzuwachs von 5,2 Prozent freuen, er liegt jetzt bei jährlich 420 Millionen Euro.
Tatsache ist freilich: Wer keine Beschwerden beim Schlafen und auch keinerlei orthopädische Probleme hat, ist in der Auswahl seiner Matratze relativ unabhängig und kann sich sein Geld für teure Anschaffungen sparen. Denn seine Beschwerdefreiheit belegt, dass sein Körper mit einfachen Schlafbedingungen zurechtkommt. Es reicht, wenn seine Unterlage atmungsaktiv ist und mindestens 20 Zentimeter Größenreserve hat.
Wer also 1,80 Meter groß ist, sollte eine Matratze von mindestens zwei Meter Länge haben und nicht aus Sparsamkeit ein kleineres Modell nehmen, nur weil sein Bettgestell nichts Größeres zulässt.
Wer jedoch unter Rücken-, Hüft- oder Nackenproblemen leidet - und das sind die meisten, die ein Matratzenfachgeschäft aufsuchen -, muss sich mehr Sorgfalt bei der Auswahl der Schlafunterlage gönnen.
Das entscheidende Kriterium ist allerdings nicht der Härtegrad der Matratze. Und erst recht nicht gilt der Grundsatz, dass ein Mensch mit Rückenproblemen am besten auf einer harten Unterlage aufgehoben ist. Das belegt eine spanische Studie mit 313 geplagten Rückenpatienten. Die ließ man auf harten oder mittelharten Matratzen schlafen.
Das Ergebnis: Bei denjenigen Patienten, die auf mittelharten Matratzen schliefen, verspürten doppelt so viele eine Besserung wie in der “harten Gruppe”. Eine mögliche Erklärung für dieses Ergebnis sehen die spanischen Forscher darin, dass weichere Matratzen das Schlafen in der rückenfreundlichen Seitenlage begünstigen. Harte Schlafunterlagen sind in Seitenlage dagegen unbequem.
Wichtiger als ihr Härtegrad ist, dass die Matratze den Körper punktgenau aufnimmt. Wenn also die Körperteile auf die Unterlage drücken, dürfen sie dort nicht für eine große, “talartige” Delle sorgen. Denn dieses Tal bedeutet, dass die Matratze sehr stark nachgibt und die benachbarten Körperteile nicht im notwendigen Maße unterstützt werden. Die Unterlage sollte vielmehr präzise an der Stelle nachgeben, wo die Belastung vorliegt. Hier besitzen Matratzen aus Schaumstoff leichte Vorteile gegenüber traditionellen Materialien wie Federkern, Wolle oder Rosshaar, die zudem im Laufe der Jahre immer mehr an Elastizität einbüßen, da sie ja viele Stunden lang zusammengepresst werden - in zehn Jahren etwa 30 000 Stunden.
Am weitesten verbreitet ist in Deutschland mit rund 60 Prozent Marktanteil die Kaltschaummatratze. Sie ist strapazierfähig und leicht und daher einfach zu wenden. Die Stiftung Warentest kam im Herbst 2007 zu dem Schluss: “Auf allen liegt es sich gut. Unterschiede gibt es nur in der Haltbarkeit sowie der anfänglichen Geruchsbelästigung.” Die Preise bewegen sich zwischen 150 und 500 Euro. Vergleichbare Preise werden für Taschenfederkernmatratzen verlangt. Sie enthalten kleine tonnenförmige Stahlfedern in Vliessäckchen. Der Liegekomfort ist gut, stellt “test” fest: Die Federn gäben nur nach, wo Druck anliegt, die Matratze passe sich bestens an den Körper an.
Einige Matratzenhersteller propagieren ein durchaus sinnvoll klingendes “Zonensystem”: Da, wo Körperpartien wie Schultern und Hüfte tiefer in die Matratze dringen, solle dies ein weicheres Material ermöglichen. Im Bereich etwa der Lenden müsse das Material dagegen kräftig stützen. In Tests der bis zu sieben Zonen umfassenden Matratzen waren solche Unterschiede aber oft kaum messbar, geschweige denn spürbar. Mehr als drei Zonen seien ohnehin nicht sinnvoll, zitiert “test” Experten, da unterschiedlich große Personen und unterschiedliche Liegepositionen das System ohnehin ad absurdum führten.
Etwas Sorgfalt lohnt sich hingegen bei der Pflege der Schlafunterlage. Vermeiden Sie alles, was eine gute Belüftung der Matratze behindert. Dazu gehören Matratzenschoner, Tagesdecken und Bettkästen oder Schubladen unter dem Bett. Wenden Sie die Matratzen viermal im Jahr, auch das fördert die Durchlüftung. Matratzen mit abnehmbarem Bezug haben den Vorteil, dass sie nach dem Waschen so gut wie neu sind. “Für Allergiker geeignet” bedeutet zumeist nur, dass der Matratzenbezug waschbar ist. Milbenallergiker sollten auf gutes Lüften besonders achten und zusätzlich einen milbendichten Spezialbezug anschaffen (”Encasing”).
Alle zehn Jahre sollte selbst eine teure Matratze erneuert werden. Übrigens: Schmerzlindernde Spezialmatratzen können der gesetzlichen Krankenkasse nicht in Rechnung gestellt werden. Diesem Anliegen haben die Sozialgerichte eine deutlich Absage erteilt.
Selbst die hochwertigste Matratze bleibt jedoch wirkungslos, wenn sie auf einem überholten, starren oder sogar schadhaften Lattenrost liegt. Auch er sollte sich flexibel auf die Bedürfnisse des Schlafenden einstellen lassen. Zudem wird im Hinblick auf den erholsamen Schlaf auch das Kopfkissen oft unterschätzt. Dabei spielt es gerade für die Belastung im Halswirbelbereich eine entscheidende Rolle. Wie für die Matratze gilt auch hier: Es gibt keine Pauschalregel dafür, wer ein hartes oder wer ein weiches Kissen nehmen sollte. Es sollte vielmehr zu den Vorlieben des Schlafenden passen.
Und zur Matratze!
Denn wer auf harter Matratze und weichem Kissen schläft, darf sich nicht wundern, wenn er am Morgen gerädert aufsteht.









